Hochwasserschutz-Projekt Grüene

 
Stand: 6. Februar 2017

Weiterer Werdegang kurz im Überblick
Wann Was
Frühjahr 2017 Einspracheverhandlungen
ca. Mitte 2017 Entscheid über noch offene Einsprachen
Nach Entscheid über Einsprachen Genehmigung Wasserbauplan und Kredit  Mitgliederversammlung Korporation
Frühstens Herbst 2017 Plangenehmigung durch Kanton
Voraussichtlich März-Session 2018 Grossratsbeschluss Kredit
Frühstens Ende 2018 Beginn Bauarbeiten

Weiterer Werdegang des Projekts „Hochwasserschutz Grüene“
hhl. Im Rahmen der öffentlichen Auflage des Projekts gingen innert Frist bei der Einwohnergemeinde Lützelflüh 37 Einsprachen ein und in Sumiswald 6, insgesamt 43 Einsprachen. Gemäss den Bestimmungen im Wasserbaugesetz vom 14.2.1989 ist für die Organisation und Durchführung der Einspracheverhandlungen der Regierungsstatthalter bzw. die Regierungsstatthalterin zuständig. Es ist davon auszugehen, dass die Verhandlungen im Frühjahr 2017 erfolgen und bis Mitte 2017 abgeschlossen sind. Über noch offene Einsprachen wird dann die Bau-, Verkehrs- und Energiedirektion entscheiden.
Danach steht die Genehmigung des Wasserbauplanes und die Kreditbewilligung durch die Mitgliederversammlung der Korporation an. Im aktuellen Finanzplan sind Bruttoinvestitionen von Fr. 12.85 Mio und Subventionen von 70 % berücksichtigt (nach den gesetzlichen Bestimmungen sind von Bund und Kanton Subventionen von min. 60 % und max. 76 % zu erwarten).
Die Finanzierung des HWS-Projekts durch die Schwellenkorporation ist in der aktuellen Finanzplanung (2017 bis 2021) gewährleistet. Da zurzeit wesentliche Faktoren des HWS- Projekts noch nicht vollständig geklärt sind, können längerfristige Entwicklungen und Tendenzen, erst nach den jeweiligen Aktualisierungen der Finanzplanung konkretisiert werden. Die Finanzplanung wird deshalb rollend (mind. Jährlich) dem neusten Projektstand angepasst. Die  Plangenehmigung durch den Kanton wird frühestens im Herbst 2017 erwartet. Mit dem Grossratsbeschluss (Kredit), voraussichtlich in der März-Session 2018, wird dann das Plangenehmigungsverfahren abgeschlossen und frühestens Ende 2018 kann mit den Bauarbeiten begonnen werden (Bauzeit ca. 6 Winter).

Vorgeschichte
Die Gefahrenkarte der Gemeinde weist für die Siedlungen Grünenmatt und Ramsei mehrheitlich eine blaue Gefahrenstufe (mittlere Gefährdung) aus. Diese ist auf einen möglichen Ausbruch der Grüene an verschiedenen Schwachstellen zurückzuführen. Im Einvernehmen mit dem Oberingenieurkreis IV, Burgdorf und dem Gemeinderat gab die Schwellenkorporation 2004 ein Projekt in Auftrag, welches das Hochwasserschutzdefizit beheben soll. Die Hochwasser 1958  und 2002 zeigten die Schutzdefizite deutlich auf. Oberhalb von Grünenmatt trat die Grüene über das linke Ufer und überschwemmte den Bahnhof und das Dorf. Beim Ereignis im Jahre 2005 war die Abflusskapazität voll ausgeschöpft. Landwirtschaftliche Flächen standen unter Wasser und die Gefährdung von Grünenmatt war gross. Das Wasser schlug an der Dorfbrücke an und drohte das Dorf zu überschwemmen.

Die ursprünglich 2014 vorgesehene öffentliche Planauflage wurde aus verschiedenen Gründen verzögert. Die Gründe dafür liegen in einer nachträgliche Umweltverträglichkeitsprüfung, einer Überprüfung der Massnahmen bei den drei Kantonsstrassenbrücken, (kantonseigener Wasserbau) und den Belangen der Fischerei.

Orientierungen und Mitwirkung
Am 11.8.2008 fand eine öffentliche Orientierung und Mitwirkung statt (17 schriftliche Eingaben). Weiter wurden am 21.11.2012 die Anstösser über das Projekt orientiert.

Öffentliche Auflage des Projekts
Inzwischen wurde das Projekt bereinigt und vom Vorstand der Korporation zur öffentlichen Auflage freigegeben. Die öffentliche Auflage fand vom 31. Oktober 2016 bis am 29. November 2016 in der Gemeindeverwaltung Lützelflüh und in der Gemeindeverwaltung Sumiswald statt.


Profilierung
Haben Nutzungspläne konkrete Bauvorhaben und bedeutende Terrainveränderungen zum Gegenstand, müssen deren Hauptabmessungen im Zeitpunkt der öffentlichen Auflage durch Profile im Gelände kenntlich gemacht werden.

Vorgesehene Massnahmen

Perimeter
Der Perimeter liegt grösstenteils auf dem Gemeindegebiet von Lützelflüh. Auf den obersten ca. 800 m ist ebenfalls Sumiswald betroffen.

Schutzziel

Definiert wurde  im geschlossenen Siedlungsgebiet ein Schutzziel  von HQ 100 (d.h., dass Brücken und Anlagen einem Hochwasser, wie es alle 100 Jahre einmal vorkommt, widerstehen). Nach Realisierung der Massnahmen muss die Gefahrenkarte den Gefährdungsgrad in den Siedlungen Grünenmatt und Ramsei nur noch als „gering“ einstufen.

Brücken
Die Kantonsstrassenbrücken Ramsei, Gumpersmühle und Grünenmatt müssen angepasst werden. Diese drei Brücken sind nicht mehr Bestandteil des Projektes und liegen im Zuständigkeitsbereich des Kantons. Die BLS-Bahnbrücke muss unterfangen werden.

Ab Gemeinde Sumiswald bis Grünenmatt

Im Gebiet Fürtenschachen liegen in der Überflutungsfläche zwei überbaute Parzellen (Wohnhaus und Unterstation der BKW). Diese werden mittels Objektschutzmassnahmen geschützt.

In diesem Gebiet wird die Kapazität der Grüene nicht ausgebaut. Dadurch werden bei Hochwasser landwirtschaftliches Nutzland und die Kantonsstrasse überflutet. Wo ein Gewässer Personen oder erhebliche Sachwerte gefährdet und die Gefahr nicht durch Massnahmen abgewendet werden kann, können im Wasserbauplan Überflutungsgebiete ausgeschieden werden. Im Gebiet Adelboden wird eine entschädigungsberechtigte Überflutungsfläche ausgeschieden. Oberhalb Grünenmatt wird entlang der Bahnlinie ein Hochwasserschutzdamm erstellt. Damit wird verhindert, dass ausgetretenes Wasser über die Bahnlinie ins Dorf Grünenmatt fliesst. Unterhalb des Sagibachs verläuft der Damm Richtung Grüene. Damit wird das ausgetretene Wasser wieder ins Gerinne zurückgeführt. Die betroffenen Grundeigentümer haben im Schadenfall Anrecht auf eine angemessene Entschädigung, die durch einen amtlichen Schätzer festgelegt wird.

Innerhalb des Dorfes Grünenmatt

Es wird die Abflusskapazität erhöht. Aufgrund der engen Platzverhältnisse und der Strassenbrücke kann der Gerinnequerschnitt nur beschränkt ausgebaut werden. Die Sohle wird abgesenkt und die Ufer müssen beidseits erhöht werden. Die bestehenden drei Sperren werden abgebrochen. Die Brücke wird als Druckbrücke ausgebildet. Der bestehende Fussgängersteg bei der Liegenschaft Christen muss neu erstellt werden. Der Steg bei km 2.460 wird abgebrochen.

Ab Grünenmatt bis Ramsei

Zwischen der Einmündung des Dürrbachs bis unterhalb der Bahnbrücke wird die Kapazität durch Massnahmen an den Brücken und am Ufer erhöht. Ab Schachenmatt bis Ramsei wird die Kapazität nicht ausgebaut. Die alte Strassenbrücke bei der Hundeschule wird abgebrochen. In den Gebieten Gumpersmühle und Ramseimatte werden weitere Überflutungsflächen ausgeschieden.

Ortsteil Ramsei
Unterhalb der Galgelibrücke wird das Wasser aus der Überflutungsfläche Ramseimatte ins Gerinne der Grüene zurückgeführt. Dazu muss die Abflusskapazität ausgebaut werden. Dieser Ausbau ist mit einer knapp 200 m langen Renaturierungsstrecke kombiniert (die Landparzelle konnte im Rahmen eines Landabtauschverfahrens erworben werden).
Aufgrund der engen Platzverhältnisse im überbauten Gebiet von Ramsei und einer Strassen- und Bahnbrücke kann das Gerinne nicht wesentlich verbreitert werden. Durch die vorgesehene Absenkung der bestehenden Schwelle in der Emme unterhalb der Grüenemündung kann die Sohle der Grüene tiefer gelegt werden.



Ökologische Aufwertungen

Zusätzlich zu den Hochwasserschutzmassnahmen sind umfangreiche ökologische Aufwertungen vorgesehen. Diese betreffen in erster Linie die fischereilichen Verhältnisse (Längsvernetzung, Unterstände, Strukturierung). Aber auch die Ufervegetation wird aufgewertet und die gesamte bestockte Fläche entlang der Grüene kann um fast die Hälfte vergrössert werden (Renaturierungsstrecke).

Kosten
Der Kostenvoranschlag (KV) wurde aktualisiert.
Übersicht Gesamtkosten vom 30.9.2016:

 *Bruttokosten Wasserbau
 CHF    12‘850‘000
 Kantonsbrücken (Kostenübernahme OIK IV)  CHF      3‘690‘840
 Gesamtkosten gemäss KV  CHF    16‘540‘840
*Subventionen Bund und Kanton betragen mindestens 60 % der Bruttokosten

Ausführungszeitpunkt, Bauzeit, Etappierung, Finanzierung
Der Baubeginn wird frühestens im Herbst 2018 stattfinden und 5-6 Jahre andauern. Das Vorhaben eignet sich gut für eine Etappierung. Die Arbeiten sollten wegen der Abflusskapazität grundsätzlich von unten nach oben (gegen die Fliessrichtung) ausgeführt werden. Zudem ist zu beachten, dass die BLS 2016/2017 einen wesentlichen Umbau des Bahnhofbereichs in Ramsei plant. Die Arbeiten an der Brücke müssen mit diesem Vorhaben koordiniert werden. Die definitive Etappierung und Loseinteilung wird sich auch nach den finanziellen Möglichkeiten der Schwellenkorporation und der Einwohnergemeinde richten. Die Finanzierung des Projektes wird zurzeit abgeklärt.

                                                                                                                     Schwellenkorporation


 
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