«Am Fluss vor Zyt»
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Interview mit Walter Held

27.11.2013

Walter Held geht in den Ruhestand

Interview mit Walter Held

Am 1. August 1976, also vor über 37 Jahren, nahm Walter Held seine Arbeit im Werkhof Lützelflüh auf. Wie kein anderer kennt er die Strassen, Plätze und Gegebenheiten in der Gemeinde Lützelflüh. Kein Wunder, war er doch all diese Jahre als treuer, fleissiger und geschätzter Arbeiter in der Gemeinde unterwegs. Auf Ende November 2013 tritt Walter Held nun in den wohlverdienten und vorzeitigen Ruhestand. Walter wird sich nun vermehrt seinen zwei grossen Hobbys, dem Imkern und der Schnapsbrennerei, widmen können.
 

Walter, vor über 37 Jahren hast du deine Arbeit als Mitarbeiter der Wegequipe aufgenommen. Wie war das damals für dich?
In dieser Zeit haben die Gemeinden mehr und mehr die Naturstrassen mit einem Belag ausgebaut. Als ausgebildeter Strassenbauer war ich für diese Arbeit in der Gemeinde Lützelflüh verantwortlich. Später hat die Gemeinde den Strassenbau immer mehr an Firmen ausgelagert. Damals aber haben wir noch selber ganze Strassenzüge nicht nur unterhalten, sondern eben auch gebaut. Ich weiss nur noch, dass das Jahr 1976 ein sehr heisses und strenges Jahr war. Wir waren zwar acht Männer, welche für die Gemeinde gearbeitet haben in der Wegequipe. Aber die meisten waren Landwirte, welche bei schönem Wetter oft keine Zeit hatten, da die Arbeit auf dem Hof gemacht werden musste.

Was geht dir durch den Kopf, wenn du daran denkst, dass du nach 37 Jahren tagtäglichem Arbeiten im Werkhof Lützelflüh am 1. Dezember 2013 nicht mehr Werkhofleiter der Gemeinde Lützelflüh sein wirst?
Eigentlich realisiere ich es noch nicht so richtig. Aber ich denke, das ist auch gut so. Nach meiner  Pensionierung habe ich Einiges, welches meine Zeit in Anspruch nehmen wird. Zudem hatte ich teilweise auch kleine gesundheitliche Beschwerden, weshalb ich froh bin, nicht mehr jeden Tag auf den Strassen von Lützelflüh unterwegs sein zu müssen. Es waren sehr schöne 37 Jahre, welche ich nicht missen möchte. Aber nun mache ich gerne Jüngeren Platz.

Wenn du damals mit heute vergleichst, in welcher Beziehung hat sich die Arbeit als Mitarbeiter des Werkhofes Lützelflüh verändert?
Vor 37 Jahren bestand die Arbeit zum grossen Teil aus schwerer körperlicher Arbeit. Die Strassen und Wege wurden mit dem Besen gekehrt, der Strassenbau war mit viel Schaufeln verbunden und auch beim Winterdienst war Muselkraft gefragt. Heute wird vieles mit Maschinen erledigt, alles muss viel schneller erledigt werden. Die Erwartungshaltung der Bevölkerung ist allgemein grösser geworden. Heute arbeiten noch vier Mitarbeiter beim Werkhof Lützelflüh. Ich kann mich noch daran erinnern, wie mir in diesen ersten Jahren bei der Arbeit in der Wegequipe einmal ein Ohr abgefroren ist, so dass ich sogar eine Operation über mich ergehen lassen musste. Es war also teilweise eine sehr schwere Arbeit bei Wind und Wetter. Heute haben die Fahrzeuge teilweise eine Heizung und die Kleidung ist deutlich besser, wofür ich sehr dankbar bin. Ich vermisse die alte Zeit also nicht.
 
Würdest du diesen Beruf heute wieder wählen, und weshalb?
Ich würde diesen Beruf auf jeden Fall wieder wählen. Meine Arbeit hat mir immer sehr gefallen, es gab kaum jemals eine Zeit, in welcher ich nicht mit Freude zur Arbeit gefahren wäre. Allgemein bin ich mit meinem Leben sehr zufrieden.
 
Was für ein Verhältnis hast du als Mitarbeiter des Werkhofes zur Bevölkerung?
Ein gutes. Ich denke, dass die meisten Lützelflüher die Arbeit der Wegequipe schätzen. Ich selber hatte eigentlich immer ein gutes Verhältnis zu den Menschen im Dorf. Einzig in der Zeit, als ich noch für die Baukontrolle zuständig war, gab es ab und zu eine Person, welche es nicht so geschätzt hat, wenn ich ihr mitteilen musste, dass hier oder dort noch etwas verändert werden muss.
 
Was hat dich in diesen 37 Jahren am meisten befriedigt bei deiner Arbeit?
Der Bau einer neuen Strasse von Grund auf hat mich immer sehr befriedigt. Am Schluss hatte man vor Augen, was gearbeitet wurde und es hat der Bevölkerung Freude bereitet. Sie waren dankbar dafür.
 
Hattest du einen Lieblingsplatz, einen Lieblingsort in Lützelflüh, welchen du besonders gerne besucht hast?
Eine Fahrt über die Egg mit der wunderschönen Bergsicht ist enorm schön. Auch gerade im Winter früh am Morgen bei der Schneeräumung. Wenn der Morgen erwacht, das ist etwas Wunderbares.
 
Du bist ein ruhiger und besonnener Mensch, der kein Wässerchen trüben kann, wie mir scheint. Ist dies wirklich immer so, oder kannst du auch mal böse werden?
Nein nein, mich bringt nicht so schnell etwas aus der Fassung. Ich bin auch kein nachtragender Mensch und nehme das Leben mit Humor. Es braucht sehr viel, dass ich auch mal aufgebracht bin. Dann kann es aber schon mal ungemütlich werden… (Walter lacht)
 
Hast du eine kleine Anekdote aus deinem Berufsalltag zu erzählen?
Einmal hat uns ein Landwirt aufgeregt in den Stall gerufen, als wir bei der Arbeit an einer Strasse waren. Wir durften ihm dann bei der schwierigen Geburt eines Kalbes helfen. Ein andermal waren wir im Herbst am Schneepfosten einschlagen. Da hat uns eine Bäuerin ohne Vorwarnung alle bösen Worte nachgerufen, weil es für sie zu früh war im Jahr. Ich habe mit Humor reagiert, und gefragt, ob wir nächstes Mal erst im Frühling kommen sollen… (Walter schmunzelt) Ich habe aber deutlich mehr Schönes erlebt.
 
Du wirst nun mehr freie Zeit geniessen dürfen, welche du mit Imkern und Schnapsbrennen ausfüllen willst. Wie bist du zu diesen Hobbys gekommen?
Imkern wird heute nicht unbedingt mehr als Hobby angeschaut, es ist mehr eine Berufung und aus ökologischer Hinsicht eine wichtige Aufgabe. Ich betreue 10 –12 Bienenvölker. Zum Imkern kam ich vor Jahren durch meinen Vater. Zum Schnapsbrennen kam ich eigentlich aufgrund der Arbeit. Vor langer Zeit lies einmal ein Politiker verlauten, «den Bauverwalter und den Chef Wegequipe brauche man wohl bald nicht mehr». Das hat mir zu denken gegeben und ich habe in den nächsten Tagen eine kleine Schnappsbrennerei übernommen, damit ich nicht mit leeren Hände dastehen würde, wenn es wirklich soweit kommen sollte. Also als kleine Sicherheit. Zum Glück war das damals aber nur die Idee eines Politikers.
 
Neu werden die Mitarbeiter des Werkhofes, die Hauswarte und der Bademeister enger zusammen arbeiten. Der Technische Betrieb wird neu von David Burkhalter geleitet. Hast du dem technischen Team einen Tipp, damit alle ihre Aufgabe auch zukünftig mit viel Freude und Elan ausführen können?
Ich bin der Meinung, dass man aus allem immer das Beste machen sollte. Veränderungen sind  manchmal nötig, man muss sie nur positiv nehmen. Alle sollen sich am Positiven orientieren, und die interessante und schöne Arbeit sehen. Ich selber aber bin froh, dass ich diese Reorganisation einem jüngeren Chef überlassen darf. Heute habe ich doch auch öfters einmal ein kleines «Bräschteli». Ich bin froh, dass ich meine zukünftige Arbeit viel flexibler gestalten kann.
 
Lieber Walter, wir wünschen dir für die Zukunft alles Gute, viel Freude, Gesundheit und sonnige Tage. Wir bedanken uns herzlich für deine Treue zur Gemeinde Lützelflüh und deine sehr geschätzte  Arbeit.

Danke und alles Gute Walter!
Gemeinderat, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Gemeinde Lützelflüh

Interview geführt durch Ruedi Berger, Gemeindeverwalter

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